Wer seine Umsätze nach vereinnahmten Entgelten zu versteuern hat, ist in § 17 UStG 1994 geregelt. Bei diesen IST-Besteuerern entsteht die Umsatzsteuerschuld erst bei Zahlungseingang, für den Vorsteueranspruch war bisher die Zahlung des Rechnungsbetrags keine Voraussetzung. Ab 01.01.2013 ergeben sich folgende Änderungen:

Ab 01.01.2013 macht Österreich von einem Wahlrecht einer EU-Richtlinie Gebrauch, wonach Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz unter EUR 2 Mio. mit einer Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten (=IST) der Vorsteuerabzug erst in dem Zeitpunkt zugestanden wird, in dem der leistende Unternehmer den Umsatzsteuerbetrag erhalten hat (somit: die Zahlung erfolgt ist). Diese Vorgangsweise wurde laut Umsatzsteuerrichtlinien bisher schon aus Vereinfachungsgründen angewandt, wird ab 2013 jedoch zwingende Vorschrift.
Alle Ist-Besteuerer, deren Vorjahresumsätze über EUR 2 Mio. betragen, können den Vorsteuerabzug grundsätzlich für den Zeitraum geltend machen, in dem die Leistung erbracht und darüber eine entsprechende Rechnung ausgestellt wurde (Vorsteuerabzug nach Soll-Prinzip).
Vereinfacht heißt dies, dass der Vorsteuerabzug bisher bereits zu dem Zeitpunkt zustand, in dem die Leistung ausgeführt wurde und die Rechnung vorlag. Nunmehr steht der Vorsteuerabzug bei „kleinen“ Ist-Besteuerern erst bei der Zahlung durch den Kunden zu.

Der Unterschied klingt spitzfindig, ist jedoch vor allem für diverse Überrechnungsanträge relevant: Mittels Überrechnungsantrag konnte die Finanzierung der Umsatzsteuer auf den Kaufpreis entfallen und das beim Käufer entstehende Vorsteuerguthaben auf dem Finanzamtskonto auf das Finanzamtskonto des Verkäufers „überrechnet“ werden.
Entsprechend der neuen Rechtslage ist diese Überrechnung zur Gänze jedoch nur mehr zulässig, wenn auch der gesamte Bruttoverkaufspreis überwiesen wurde.

Bei Geschäftsveräußerungen im Ganzen ist hingegen im Vergleich zur Veräußerung von einzelnen Wirtschaftsgütern gemäß Rz 2506 UStR immer Soll-Besteuerung anzuwenden – das heißt, eine Überrechnung des gesamten Steuerbetrages ist zulässig.